Unsere heutige Etappe ist erfreulich kurz. Der Plan: ein Stück näher an Bordeaux heranfahren, um morgen bequem mit dem Fahrrad in die Stadt zu radeln. Trotzdem starten wir recht früh, denn zuerst steht das glamouröse Kapitel des Wohnmobilreisens an: Ver- und Entsorgung. Ich habe über park4night eine passende Station in der Nähe gefunden. Der Haken: Sie wird von Camping-Car Park betrieben. Das bedeutet natürlich: neue App installieren, registrieren, Daten eingeben, 5 Euro bezahlen. Wenn das so weitergeht, brauche ich bald ein eigenes Smartphone nur für Camping-Apps. Die Station befindet sich an einem Friedhof in Saint-Sulpice-de-Faleyrens – was irgendwie schon leicht symbolisch wirkt. Vor Ort kann ich immerhin die Sprache auswählen, und der Automat spricht sogar mit mir. Leider verstehe ich trotzdem nicht, was er von mir will. Es sieht so aus, als bräuchte man eine physische Camping-Car-Park-Karte. Kreditkartensymbole sind zwar vorhanden, funktionieren aber offenbar nur zusammen mit dieser Karte. Ganz unten entdecke ich dann ein kleines Tastenfeld. Dort soll man wohl einen Aktivierungscode eingeben. Super – genau so einen zeigt mir die App an. Optimistisch tippe ich den Code ein. Nichts. Vielleicht vertippt. Zweiter Versuch. Wieder nichts. Irgendwann fällt mir auf, dass das Display nach drei Ziffern einfach aufhört. Meine App zeigt allerdings einen sechsstelligen Code an. An diesem Punkt bin ich kurz davor, vollkommen zu verzweifeln. Wir brauchen auf jeden Fall Frischwasser. Dann entdecke ich eine Telefonnummer. Also gut – letzter Versuch. Vielleicht habe ich Glück und jemand spricht Englisch. Und tatsächlich: Es hebt sofort jemand ab. Englischsprachig. Freundlich. Kompetent. Fast schon verdächtig unkompliziert. Nachdem wir geklärt haben, an welchem Ort ich überhaupt stehe, erklärt mir die Dame, dass in dieser Region manche Automaten tatsächlich nur dreistellige Codes akzeptieren. Aber kein Problem – sie wird mir jetzt eine physische Karte ausgeben. Wenige Sekunden später spuckt der Automat tatsächlich eine Karte aus. Leider hilft auch diese Karte auch nicht weiter.

Aber heute scheint mein Glückstag zu sein: Nach kurzer Rücksprache mit einem Kollegen schaltet sie mir den Wasserzugang kurzerhand remote frei – und ich kann endlich unseren Frischwassertank füllen. Manchmal fühlt sich Reisen an wie ein Escape Room auf Rädern.

Der restliche Tag verläuft dann erfreulich unspektakulär. Wir kommen etwas zu spät an, um noch nach Bordeaux zu fahren, also richten wir uns gemütlich auf unserem Stellplatz ein.Am Nachmittag unternehmen wir noch einen Spaziergang ins Dorf Cénac. Viel zu bieten hat es nicht – aber Bewegung schadet nie. Den Abend beschließen wir dann deutlich stilvoller: mit einer Weinprobe beim Winzer.

Blick vom WoMo auf die Weinparzelle. Hier wächst Merlot.

Wir haben es uns gemütlich gemacht

So endet selbst ein Tag voller Automaten-Drama doch noch versöhnlich.

Etappendaten

Tageskilometer 38 km
Fahrzeit 1 Stunde 4 Minuten
Durchschnittlicher Verbrauch 8,4 l/100km

Übernachtungsplatz

Cénac, Chateau Du Garde

Cénac, Chateau Du Garde

Stellplatz auf einer Wiese. Blick auf Wein Parzelle. Abends Weinprobe. Freundlicher Empfang. Bordeaux in 45 Minuten erreichbar. Pro Nacht 10€.

44.7907829285 -0.455621600151 (lat,lng)   
N 44° 47' 27" W 0° 27' 20"