Unser Plan für heute ist eigentlich klar: Um 11:00 Uhr an der Führung durch die monolithische Kirche teilnehmen und danach weiter nach Bordeaux zu unserem nächsten Weingut fahren.
Aber zu Plänen kommen wir später.
Wir starten rechtzeitig mit den Fahrrädern Richtung Saint-Émilion und haben sogar noch etwas Zeit, durch das Dorf zu schlendern, das um diese Uhrzeit erfreulich wenig bevölkert ist.
Bei unserem Streifzug treffen wir tatsächlich auf Frida – jene Frida, die gestern Abend die Weinprobe auf unserem Weingut geleitet hat. Frida kommt ursprünglich aus Bayern, hat es aber vor sieben Jahren nach Saint-Émilion verschlagen. Heute arbeitet sie im Laden von Château Valandraud, einem Premier Grand Cru Classé – also der höchsten Klassifikation.
Wir kommen ins Gespräch und verabreden uns kurzerhand für nach der Führung zu einer kleinen Weinprobe. Der Tag nimmt bereits eine erfreuliche Richtung.
Dann beginnt unsere Führung durch die monolithische Kirche.
Dabei erfahren wir einiges über die Entstehung von Saint-Émilion. Der Legende nach kam Ende des 8. Jahrhunderts ein Benediktinermönch namens Émilion in diese Gegend. Er lebte als Eremit in einer Felsenhöhle, die Teil des heutigen Komplexes ist. Ihm wurden verschiedene Wunder zugeschrieben – unter anderem soll er Holz in Brot verwandelt haben. Praktisch, wenn man Hunger hat. Auf jeden Fall wurde dieser wundervollbringende Émilion namensgebend für das heutige St. Émilion.
Im 12. Jahrhundert wurde hier großflächig Kalkstein aus dem Berg gehauen – ein wichtiger Wirtschaftszweig jener Zeit. Dabei entstanden Höhlen, Tunnel und Grabkammern. Insgesamt soll sich unter Saint-Émilion ein unterirdisches Netz von rund 100 Kilometern Länge erstrecken. Diese sind heute perfekte Lagestätten für die Reifung der Weine, gleichmäßige 12-14 Grad, 80% Luftfeuchtigkeit, keine Erschütterungen. Perfekt!
Der eindrucksvollste Teil ist jedoch die unterirdische Kirche selbst: komplett aus dem Fels gehauen, etwa 38 Meter lang und rund 12 Meter hoch. Zwei gewaltige Pfeiler tragen das Ganze – ebenfalls aus einem Stück Stein. Noch beeindruckender ist allerdings, dass oberirdisch darauf später auch noch der weithin sichtbare Glockenturm errichtet wurde.
Wirklich beeindruckend. Leider ist das Erstellen von Bildern und Videos im gesamten Komplex untersagt.
Nach der Führung laufen wir zurück zum Weinshop. Vorher kehrt Renate natürlich noch in den einen oder anderen Laden ein – Kultur und Shopping schließen sich schließlich nicht aus.
Noch bevor wir überhaupt mit der Weinprobe beginnen, fassen wir spontan einen Entschluss: Wir bleiben noch einen Tag in Saint-Émilion. Bordeaux kann ruhig noch etwas auf uns warten.
Bei Frida verkosten wir anschließend eine ganze Phalanx an Weinen – vom einfachen Einstiegswein bis zum Premier Grand Cru Classé. Die Preise am oberen Ende sind durchaus sportlich: Für den Spitzenwein von Château Valandraud werden rund 200 Euro aufgerufen.
Es gibt aber auch deutlich bodenständigere Optionen. Zwei Flaschen finden schließlich den Weg zu uns.
Frida erklärt sich sogar bereit, uns die Weine heute Abend am Campingplatz vorbeizubringen, da sie dort ohnehin wieder eine Weinprobe begleitet. Servicelevel: ausgezeichnet.
Besonders spannend fand ich die Geschichte hinter Château Valandraud. Die Gründer hatten anfangs nicht genug Geld für ein eigenes Weingut und produzierten ihren Wein kurzerhand in einer Garage. Ja, nicht nur Computerunternehmen entstehen in Garagen.
Irgendwann wurde Robert Parker, der wohl einflussreichste Weinkritiker seiner Zeit, auf sie aufmerksam. Er bewertete die Weine mit 95 von 100 Parker-Punkten – praktisch der Ritterschlag in der Weinwelt.
Danach waren die Weine begehrt, teuer – und der Weg zum eigenen Weingut geebnet.
Nach so viel Weinwissen und Verkostung suchen wir uns im Les 3 Fontaines ein Plätzchen zum Mittagessen. Wir speisen hervorragend.
Gut gestärkt schlendern wir noch eine Weile durch Saint-Émilion, bevor wir am späten Nachmittag gemütlich zum Stellplatz zurückradeln.
Dort machen wir es uns noch in der Sonne bequem und beschließen den Tag mit einem Abendspaziergang durch die Weinberge.
Es gibt definitiv schlechtere Arten, einen Tag zu verbringen.

In den Gassen St Emilions mit Blick auf den Glockenturm, der auf der monolithischen unterirdischen Kirche steht.
Etappendaten
| Tageskilometer | – |
| Fahrzeit | – |
| Durchschnittlicher Verbrauch | – |












