Auf den Regenradar und die Wettervorhersage kann man sich hier an der Atlantikküste offenbar nur bedingt verlassen. Für heute war strahlender Sonnenschein angekündigt — stattdessen werden wir morgens erstmal von Regen begrüßt.
Die Prognose verspricht im Tagesverlauf einzelne Schauer. Um es vorwegzunehmen: Wir haben Glück. Es bleibt trocken. Warm ist es trotzdem nicht wirklich. In der Sonne angenehm, im Schatten eher frisch. Und sobald sich eine Wolke vor die Sonne schiebt, ist es direkt wieder „Jacke an“-Temperatur. So kennen wir das inzwischen von der gesamten iberischen Halbinsel. Irgendwie hatte ich mir Südeuropa… sagen wir mal: konstanter warm vorgestellt.
Unser erster Programmpunkt: die Kathedrale von Porto (Sé do Porto) und der gegenüberliegende Paço Episcopal do Porto. Das Kirchenschiff der Kathedrale wirkt überraschend schlicht und gar nicht so groß, wie man es vielleicht erwarten würde. Dafür legt der Altarbereich dann ordentlich nach — deutlich prunkvoller und imposanter.
Als wir anschließend zum Bischofspalast hinübergehen, stehen wir allerdings vor verschlossenen Türen: Mittagspause. Das hätte man uns beim Ticketkauf in der Kathedrale durchaus mal erwähnen können. Also gut — dann machen wir eben auch Mittagspause.
Wir laufen zum Mercado do Bolhão. Der entpuppt sich allerdings weniger als klassischer Markt und mehr als kulinarischer Treffpunkt für hungrige Touristen. Überall gibt es Leckereien zum direkten Verzehr: Käse, Schinken, Obst, Fruchtsalate, Muscheln, Austern, Scampis, Pasta, Wein…
Wir stellen uns unser eigenes kleines Menü zusammen: etwas Schinken, einen Salat und Reisbällchen für Renate, dazu später noch Scampis und Pasta. Zum Abschluss gönnt sich natürlich jeder ein Pastel de nata. Fazit: Der Schinken überzeugt uns beide nicht wirklich, aber der Rest ist richtig lecker. Und ich bin inzwischen ganz offiziell Fan von Pastéis de Nata geworden.
Gut gestärkt geht es zurück zum Paço Episcopal do Porto. Und ja — Porto erkunden heißt vor allem: laufen. Hoch, runter, wieder hoch. Die Stadt ist quasi ein eingebautes Fitnessprogramm.
Der Bischofspalast selbst ist beeindruckend. Prunkvoll, opulent — und gefühlt näher an einem Königspalast als an einem kirchlichen Gebäude. Und wie so oft kommt bei mir der Gedanke auf, dass dieser ganze Luxus letztlich aus den Mitteln der Gläubigen entstanden ist. Wir schwören uns — mal wieder — künftig keine Kirchen mehr zu besichtigen. Mal sehen, wie lange das hält.
Für den Abend habe ich Tickets für die Livraria Lello um 18 Uhr gebucht. Bis dahin bleibt noch etwas Zeit.
Eigentlich wollten wir diese entspannt in einer Bar verbringen. Stattdessen bleiben wir erstmal an der Kathedrale hängen. Dort wird gerade ein ziemlich komplex wirkendes Gerüst — oder Konstrukt, oder irgendetwas mit gewaltigen Kranwagen — aufgebaut. Wir schauen eine ganze Weile zu, ohne wirklich zu verstehen, was da am Ende entstehen soll. Irgendwann reißen wir uns dann doch los.
Direkt gegenüber der Livraria Lello finden wir eine Bar auf einer kleinen Wiese. Sehr entspannt, sehr angenehm. Genau das Richtige nach all dem Auf und Ab.
Kurz vor 18 Uhr stellen wir uns dann in die Warteschlange der Buchhandlung. 12 Euro pro Person kostet der Eintritt, wird aber beim Kauf eines Buches angerechnet. Wenn man sieht, was hier los ist, empfinde ich das als fair. Und ja — die Buchhandlung ist beeindruckend. Wirklich.
Oft wird sie als „Harry-Potter-Buchhandlung“ bezeichnet, auch wenn hier nie Szenen gedreht wurden. Es hält sich aber hartnäckig das Gerücht, dass sich J. K. Rowling während ihrer Zeit in Porto hier inspirieren ließ.
Was allerdings ebenfalls beeindruckend ist: die Menschenmassen. Überall wird fotografiert, posiert, gewartet. Es ist schon ziemlich voll und im Grunde auch etwas nervig.
Wenn du mich also fragst, ob sich das lohnt: ein klares Jein. Die Buchhandlung an sich ist absolut sehenswert. Gute Fotos zu machen, ist dagegen eher Glückssache. Der Deal mit dem Eintritt und der Anrechnung beim Buchkauf ist aus meiner Sicht fair.
Wir entscheiden uns für zwei kleine, schön gestaltete Ausgaben: Die Verwandlung von Franz Kafka und ein weiteres englischsprachiges Buch. Am Ende zahlen wir effektiv noch 3 bzw. 5 Euro — absolut in Ordnung.
Auf dem Rückweg laufen wir wieder durch die Rua dos Caldeireiros. Hier reiht sich eine nette Weinbar an das nächste kleine Restaurant. Wir landen schließlich im Alibi by YoursPorto und gönnen uns ein paar Tapas. Sehr lecker. Könnte man definitiv wiederholen.
Den Tag lassen wir schließlich am anderen Ufer des Douro ausklingen — mit einem Glas Portwein und Blick auf die Stadt.
Nicht der schlechteste Abschluss.
Etappendaten
| Tageskilometer | – |
| Fahrzeit | – |
| Durchschnittlicher Verbrauch | – |























