Unser Timing heute ist nahezu perfekt. Am Morgen regnet es noch ordentlich, doch genau in dem Moment, als wir schließlich auf unserem Campingplatz in Porto ankommen, setzt sich die Sonne durch. Und tatsächlich bleibt sie uns den restlichen Tag erhalten. So darf das gerne laufen.
Über den Campingplatz selbst lässt sich sagen: günstig, praktisch gelegen — und mit Sanitäranlagen, die definitiv schon bessere Jahrzehnte erlebt haben. „In die Jahre gekommen“ wäre vermutlich die diplomatische Version. Ehrlich gesagt sind es die abgerocktesten Sanitäranlagen, die wir in unserer gesamten Camper-Laufbahn bisher gesehen haben. Fairerweise muss man aber sagen: sauber sind sie.
Der Platz selbst ist ansonsten völlig in Ordnung. Besonders praktisch: Der Bus Richtung Innenstadt fährt quasi direkt vor dem Eingang ab. Für 1,20 Euro kommt man bequem in die Stadt. Alternativ kostet ein Uber etwa 10 Euro. Auch absolut okay.
Am frühen Nachmittag machen wir uns mit dem Bus auf den Weg Richtung Zentrum. Wir fahren bis zur Endstation am Jardim do Morro, direkt bei der beeindruckenden Ponte Luís I, die sich über den Douro spannt. Obrerhalb der Brücke befindet sich ein Aussichtspunkt, der einen fantastischen Blick auf die Brücke und die Stadt eröffnet.
Unser erstes Ziel ist der berühmte Bahnhof São Bento. Die riesigen Azulejo-Wandbilder im Inneren sind wirklich beeindruckend. Man steht automatisch erst einmal da und schaut nach oben. Selbst Menschen, die normalerweise nicht wegen Wandfliesen in Begeisterungsstürme ausbrechen, dürften hier zumindest kurz innehalten.
Danach treiben wir eher ziellos durch das historische Zentrum von Porto. Wobei „treiben“ das richtige Wort ist. In der Stadt ist absolut die Hölle los. Touristen überall. Wirklich überall. Manchmal hat man kurz das Gefühl, ganz Europa hätte sich spontan zu einem Wochenendausflug in Porto verabredet.
Und wir natürlich mittendrin.
Für den Abend haben wir Tickets für ein Fado-Konzert im Menina Colina Guesthouse gebucht. Auf dem Weg dorthin laufen wir durch die Passeio das Virtudes — eine Art Szeneviertel mit charmant heruntergekommenen Häusern, unzähligen Bars und unglaublich vielen jungen Leuten.
Aus jeder Ecke dröhnt Musik, überall sitzen Menschen mit Drinks auf Mauern oder direkt auf dem Boden. Die Stimmung ist lebendig, laut und gleichzeitig irgendwie entspannt. Wir machen ebenfalls kurz Halt auf einen Drink und beobachten einfach eine Weile das Treiben. Dafür sind solche Viertel perfekt.
Das Menina Colina Guesthouse selbst ist ein wunderschönes altes Herrenhaus. Im kleinen Musikzimmer stehen bereits die Stühle bereit und für eine Stunde tauchen wir in die Welt des Fado ein. Zwei Sänger, eine klassische Gitarre und eine portugiesische Coimbra-Gitarre — mehr braucht es offenbar nicht. Uns gefällt das Konzert richtig gut. Diese melancholische Stimmung passt erstaunlich gut zu Porto und den alten Gassen der Stadt.
Auf dem Rückweg schlendern wir noch ein wenig durch die beleuchteten Straßen, bevor wir uns schließlich ein Uber zurück zum Campingplatz bestellen.
Etappendaten
| Tageskilometer | 90 km |
| Fahrzeit | 2 Stunden 3 Minuten |
| Durchschnittlicher Verbrauch | 9,4l/100km |


















