Wir bleiben noch einen weiteren Tag in Viana do Castelo. Das Wetter soll heute an der Atlantikküste eher durchwachsen werden, also beschließen wir, den Tag etwas gemütlicher anzugehen und das berühmte Hospitalschiff Navio-Hospital Gil Eannes zu besichtigen.
Vorher wollen wir allerdings noch zum Mercado Municipal de Viana do Castelo. Erneut bringt uns ein Uber unkompliziert in die Stadt. Der Markt selbst ist allerdings… sagen wir mal: überschaubar. Wenig Betrieb, wenig Atmosphäre und die Markthalle gibt insgesamt nicht besonders viel her. Für Touristen eher kein Pflichtprogramm. Außer vielleicht, man interessiert sich leidenschaftlich für Blumen. Mindestens vier Verkaufsstände dominieren hier das Angebot.
Wir sind entsprechend schnell wieder draußen.
Renate ist nach einem Dialog mit ChatGPT überzeugt, dass es in der Nähe der Werft noch einen weiteren Markt geben soll — den Feira Semanal de Viana do Castelo. Also laufen wir dort hin. Als wir ankommen: absolute Leere. Kein Stand, kein Händler, nichts. Ein schneller Blick auf Google Maps bringt dann die Erkenntnis: Der Markt findet nur freitags statt. Offenbar hatte ChatGPT Schwierigkeiten mit dem kleinen, aber entscheidenden Wort „heute“. Beruhigend zu wissen, dass auch künstliche Intelligenz manchmal einfach danebenliegt.
Unser Rückweg Richtung Hospitalschiff führt uns an der Festungsmauer entlang. Unterwegs landen wir schließlich spontan im Maraberto. Es ist schließlich mittlerweile Mittagszeit.
Kaum sitzen wir, werden Brot, Käse, Pastete und etwas ziemlich Undefinierbares auf den Tisch gestellt. Ablehnen könnte man das alles zwar, aber ich bin neugierig. Der Kellner erklärt uns, dass es sich um Percebes handelt — auch bekannt als „Luzifers Finger“. Der Name passt schon mal hervorragend.
Er erklärt mir auch direkt die korrekte Verzehrtechnik: An dem Ende, das wie eine kleine Kralle aussieht, drehen und damit die schlauchartige Außenhaut lösen. Übrig bleibt eine Art Röhre, die man essen kann. Die Konsistenz erinnert ein wenig an Tintenfisch, geschmacklich sehr intensiv nach Meer. Nicht schlecht — aber definitiv etwas, das man vermutlich entweder liebt oder nur einmal probiert. Ich habe damit jetzt zumindest meine kulinarische Portugal-Erfahrung erweitert.
Die anschließend bestellte gegrillte Dorade hingegen ist dagegen völlig unkompliziert und ausgesprochen lecker.
Unser Timing ist übrigens perfekt: Während draußen ein ordentlicher Regenschauer niedergeht, sitzen wir trocken und zufrieden im Restaurant. So darf Regen gerne funktionieren.
Gut gestärkt geht es danach zum Navio-Hospital Gil Eannes. Das Schiff wurde 1955 gebaut und diente bis 1973 im Nordatlantik zur Unterstützung der portugiesischen Kabeljauflotte. Erst 1984 wurde es außer Dienst gestellt, seit 1998 ist es ein Museumsschiff.
Und das lohnt sich wirklich.
Es ist beeindruckend zu sehen, wie umfangreich das Schiff ausgestattet war: Operationssaal, Röntgengerät, Desinfektionsraum, Komplette Werkstatt, Bäckerei, Isolationszimmer — und mehrere Fässer Wein. Offenbar hatte man auf langen Einsätzen durchaus ein Gespür für Prioritäten. Alles kann besichtigt werden und vermittelt einen erstaunlich authentischen Eindruck vom Leben und Arbeiten an Bord.
Das Schiffsmuseum können wir definitiv empfehlen.
Nach einer kleinen Pause im Café — natürlich mit Kaffee und einem Pastel de nata — schlendern wir noch weiter zum Dekorationsmuseum. Ehrlich gesagt hatte mich das zunächst nicht besonders gelockt, aber auch dieser Besuch war die 2,40 Euro Eintritt für uns beide absolut wert.
Vor allem die Keramiken und die beeindruckenden Azulejos, die typisch portugiesischen bemalten Keramikfliesen, gefallen uns richtig gut. Man merkt schnell, wie sehr diese Kunstform hier zur Kultur dazugehört.
Den Tag lassen wir schließlich ganz entspannt mit einem Glas Wein in der Stadt ausklingen.
Etappendaten
| Tageskilometer | – |
| Fahrzeit | – |
| Durchschnittlicher Verbrauch | – |
Übernachtungsplatz

Viano do Castelo, Kostenloser Stellplatz
Kostenloser Stellplatz mit Ver- und Entsorgung. In die Stadt muss man den Rio Lima überqueren. Angeblich gibt es eine Fähre.Ist heute nicht gefahren. Zu Fuß eine Stunde oder mit Uber für 4-5€. Es herrscht den ganzen Tag und Abend über eine reges Kommen und Gehen.
41.684177 -8.833023 (lat,lng)
N 41° 41' 3" W 8° 49' 59"


















